Erziehungsfehler bei Hunden vermeiden – und Problemen vorbeugen

Hundeerziehung ist Arbeit. Aber sie bedeutet auch eine sehr intensive Zeit, die Vierbeiner und Mensch miteinander verbringen. Zieht ein niedlicher Welpe bei dir ein, bist du ab sofort fĂŒr ihn verantwortlich.

Erziehungsfehler wÀhrend der Welpenzeit können Auswirkungen auf ein ganzes Hundeleben haben. Kurz gesagt: Das erste Lebensjahr deines Hundes ist prÀgend.

Welche Auswirkungen können Erziehungsfehler bei deinem Vierbeiner haben?

Wird ein Hund nicht von klein an sozialisiert und werden ihm seine Grenzen nicht aufgezeigt, kann es im Alltag zu gravierenden Problemen kommen. Sicher kennst auch du Hundehalter, die mit einem „Der tut nichts, der will nur spielen!“ ihre ungezogenen Vierbeiner entschuldigen. Anspringen, hĂ€ufiges Bellen, in Ärmel beißen oder Fahrradfahrern hinterherspringen sind Folgen von Erziehungsfehlern. Mit einem solchen Tier ist es kaum möglich, Bus oder Zug zu fahren, einzukaufen und Freunde zu besuchen. Im schlimmsten Fall kommt es zu echten Beißattacken vom Hund.

Aber auch zu Hause lĂ€uft nicht alles rund, wenn die Erziehungsmaßnahmen nicht konsequent durchgesetzt werden. Das Stibitzen von Essen vom KĂŒchentisch, trotz Verbot auf dem Bett liegen oder nicht stubenrein werden, sind nur einige Beispiele. Leider landen immer wieder Hunde im Tierheim, weil der Besitzer ĂŒberfordert ist. Das ließe sich fast immer mit einer artgerechten, frĂŒhzeitigen Erziehung verhindern.

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Die 8 hÀufigsten Fehler bei der Hundeerziehung

Ein Hund kann sich nicht allein erziehen. Oder anders gesagt: Darauf zu hoffen, dass der Vierbeiner sich selbststĂ€ndig alles abschaut und sich anpasst, kann nur zu Stress und EnttĂ€uschungen fĂŒhren. Ein Hund braucht klare Regeln und Kommandos. Damit sind wir schon beim ersten Erziehungsfehler.

1. Inkonsequente Hundeerziehung

Du rufst deinen Hund mit dem Befehl „Sitz!“ zu dir. Er kommt zwar schwanzwedelnd angesprungen, aber ignoriert das Sitz-Kommando und sieht dich erwartungsvoll an. Daraufhin kraulst du dem Hund den Kopf und gibst im ein Leckerli. NatĂŒrlich bestehst du sonst immer darauf, dass er folgt. Heute wird aber mal eine Ausnahme gemacht. Dem Tier gegenĂŒber ist dieses Verhalten unfair, es benötigt eine zuverlĂ€ssige Linie, Konsequenz und Beharrlichkeit. Es ist ein hĂ€ufiger Fehler in der Erziehung dass Hunde nicht klar vermittelt bekommen, was sie dĂŒrfen und was nicht. Bei aller Tierliebe: Steht es dem Hund frei, ob er folgen möchte oder nicht, kann das fatale Folgen haben. Zum Beispiel dann, wenn plötzlich ein Auto entgegenkommt, oder FußgĂ€nger Angst haben und unangemessen reagieren. Eine gute Erziehung des Hundes funktioniert am besten mit Konsequenz und einer guten Körpersprache.

2. Kommandos, die ein Hund nicht verstehen kann

Ein Vierbeiner braucht kurze, eindeutige Kommandos. „Pluto, ich habe dir gesagt, dass du sitzen sollst!“ ist ebenso unsinnig wie „Hör mal auf so zu bellen!“. Hunde lernen keine Wörter oder gar SĂ€tze, sondern Laute. Welches Kommando ist dagegen gelĂ€ufig? „Sitz“, „Aus“, „Bei Fuß“ muss dagegen vom Hund verstanden und befolgt werden. Auch die richtige Körpersprache kann dabei helfen.

3. Erziehung auf spÀter verschieben

Ein hĂ€ufiger Erziehungsfehler ist, die Erziehung auf spĂ€ter zu verschieben. Der sĂŒĂŸe, knuffige Welpe darf alles. Sogar auf dem Esstisch wird er gesetzt oder mit ins Bett genommen. Ein paar Monate spĂ€ter empfindest du es wahrscheinlich nicht mehr als niedlich, wenn um Essensreste gebettelt wird. Es ist auch nicht fĂŒr alle Hundebesitzer angenehm, wenn sich ein großer Hund auf dem Kopfkissen rekelt. Wer die Erziehung des kleinen Welpen vernachlĂ€ssigt, wird es schwer haben, einem halbstarken RĂŒpel Kommandos und Benehmen beizubringen. Tierheime können ein Lied davon singen. Immer wieder werden erwachsene Hunde abgegeben, weil diese nicht folgen.

4. Den Hund vermenschlichen

Leider ist in der heutigen Zeit ein Tier oft Ersatz fĂŒr fehlende Partner oder Kinder. Das fĂŒhrt nicht selten zur Vermenschlichung vom Hund. So bekommt das HĂŒndchen einen Mantel oder gar Schmuck geschenkt, hat ein eigenes Bett und muss brav mit vorm Fernseher sitzen. Es ist nicht grundsĂ€tzlich alles falsch und schadet nicht in jedem Fall. Der Vierbeiner muss sich aber artgerecht verhalten dĂŒrfen. Respektiere, wenn der Hund lieber in seinem Körbchen liegt und sich nicht fĂŒr den Tatort interessiert. Mag der Hund keine Kleidung tragen, dann muss er das nicht. Auch das stĂ€ndige Umhertragen von kleinen Hunden ist nicht artgerecht. Starke Vermenschlichung schadet nahezu jedem Hund.

5. Die FĂŒhrungsrolle aus der Hand geben

Sicher hast du auch schon Hundehalter gesehen, die an der straffen Leine hinter ihrem Vierbeiner hergezogen werden. In diesem Fall wurde versĂ€umt, die LeinenfĂŒhrigkeit zu trainieren. Diese ist unverzichtbar. Das Gehen an lockerer Leine neben oder nahe bei Herrchen oder Frauchen dient der Sicherheit. Nicht nur fĂŒr den Hund und seine Besitzer, sondern auch fĂŒr Umwelt und Umfeld. FĂŒr Tier und Mensch bedeutet ein lockere Leine außerdem Vertrauen und Entspannung.

6. Schlagen und Anschreien

Einem Hund gewaltsam erziehen zu wollen, funktioniert nicht und ist ein absolutes No-Go. Mit SchlĂ€gen und AnbrĂŒllen wird ein Tier verĂ€ngstigt und verliert das Vertrauen. Schwierige FĂ€lle können durch klare Grenzen und Regeln sozialisiert werden. Wenn du mit dem Charakter deines Hundes nicht zurechtkommst, hole dir bitte Hilfe. Ansprechpersonen sind der ZĂŒchter oder das Tierheim, in dem du deinen Vierbeiner gekauft hast. Auch der Tierarzt vermittelt gern entsprechende Adressen. Damit zwischen dem Hund und dir eine lebenslĂ€ngliche Freundschaft entstehen kann, muss Vertrauen anstelle von Angst herrschen.

War die Fellnase einmal ungezogen, dann kommt sie an die Leine. Manchmal versteht ein Hund auch, dass er etwas falsch gemacht hat, wenn du ihn eine Zeitlang ignorierst. Meist kommt er dann von sich aus an und macht dir ein Friedensangebot.

7. Sozialisierung findet nicht ausreichend statt

WĂ€hrend der Sozialisierungsphase lernen Welpen fĂŒr ein ganzes Hundeleben. Neben dem Umgang mit seinem Mensch und allgemeinem Gehorsam hat so ein kleines FellknĂ€uel noch viel mehr zu lernen. Ein verhĂ€ngnisvoller Erziehungsfehler ist das Vermeiden von Kontakten mit anderen Welpen, erwachsenen Hunden und verschiedenen Tieren.

Je frĂŒher der kleine Kerl ganz unterschiedliche Kontakte hat, umso einfacher wird es, spĂ€ter mit ihm unterwegs zu sein. Die allgemeine Annahme, dass Hund und Katze sich spinnefeind sind, stimmt im Grunde genommen nicht. Es existieren durchaus Freundschaften zwischen diesen Tieren. Sollten in deinem Haushalt oder in der Nachbarschaft Katzen leben, mache deinen Welpen mit ihnen frĂŒhzeitig bekannt. Er sollte möglichst auch lernen, dass er Vögel und Wildtiere nicht jagen darf.

8. Leckerli als Snack fĂŒr Zwischendurch?

Ein guter Hundehalter hat immer ein paar Leckerli in der Tasche. Es gibt auf einem gemeinsamen Spaziergang sicher die eine oder andere Situation, in der sich dein Vierbeiner eine Belohnung verdient hat. Er sollte die Leckerchen immer mit einer Situation in Verbindung bringen und verstehen, dass er gerade etwas gut und richtig gemacht hat. WĂŒrdest du ihm wahllos immer wieder etwas zum Knabbern geben geht die Erziehungsmaßnahme verloren. Er verstĂ€nde den Zusammenhang zwischen Belohnung und einfach etwas zum Fressen bekommen, nicht mehr.

Der Hund auf dem Sofa – ja oder nein?

Lange Zeit hielt sich die Meinung hartnĂ€ckig, dass der Hund zu FĂŒssen seines Frauchen oder Herrchen Platz zu nehmen hat. WĂŒrde man ihm das Sofa ĂŒberlassen, so hieß es, fĂŒhle er sich als Chef und ĂŒberlegen. Forscher, die Wolfsrudel ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum beobachteten, konnten dies nicht bestĂ€tigen. Sie fanden heraus, dass, wenn der RudelfĂŒhrer seinen Platz auf einem HĂŒgel hatte, auch andere Wölfe dort liegen durften. Allerdings nur, wenn der AnfĂŒhrer diesen nicht beanspruchte. Ansonsten rĂ€umten die Untergebenen den Liegeplatz sofort.

Es ist also nicht als Erziehungsfehler anzusehen, wenn dein Hund sich auf Sessel oder Couch ausstreckt. Er muss jedoch lernen, Platz zu machen, wenn du dort sitzen möchtest.

Strafen und Belohnungen mĂŒssen zeitnah erfolgen

Jeder Vierbeiner schlĂ€gt mal ĂŒber die StrĂ€nge und folgt nicht, wie er sollte. Mit einem konsequenten „Nein!“ und erhobenem Zeigefinger, machst du ihm das verstĂ€ndlich. Allerdings muss das sofort passieren. Ein Hund kann nur in einer unmittelbaren Situation einordnen, was du ihm mitteilen möchtest. Das gleiche gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr Belohnungen.

Wie kann ich Erziehungsfehler im erwachsenen Hundealter korrigieren?

Kommt deine Fellnase als erwachsener Hund zu dir, bringt er möglicherweise einige Fehler aus der Erziehung im Welpenalter mit. Nicht alle lassen sich noch komplett abgewöhnen. Bellt der Hund Fremde an, ist er sehr Àngstlich, frisst alles, was am Boden liegt oder jagt Katzen, ist viel Erfahrung und Geduld nötig, ihm dies abzugewöhnen. Am besten suchst du mit einem verzogenen Hund einen Hundetrainer bzw. eine Hundeschule auf oder fragst sehr erfahrene Hundebesitzer um Rat.

GrundsÀtzlich gilt: Durch ausreichende BeschÀftigung mit dem Tier, viel Liebe, Geduld und klare Richtlinien lassen sich die meisten Erziehungsfehler auch von HundeanfÀngern vermeiden.

Bildnachweis: Adobe Stock | mexitographer

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