Verhalten von Hunden verstehen und beeinflussen

Wie sich ein Hund verhält, ist von der Rasse, seinem Alter und seinen bisherigen Lebenserfahrungen abhängig. Hunde drücken durch ein bestimmtes Verhalten aus, was sie fühlen oder gerade brauchen. Mit der Zeit kennst du die Körpersprache deines Hundes und verstehst ihn immer besser.

Neben Verhaltensformen, mit denen er dir etwas mitteilen möchte, gibt es noch jenes Verhalten, welches weniger angenehm ist. Denke zum Beispiel an seinen Jagdtrieb: Wenn ein Hund losrennt, sobald er eine Katze sieht, musst du sein Verhalten nicht tolerieren. Allerdings liegt dieses einem Jagdhund einfach im Blut. Hier bist du als Halter gefragt. Training und Erziehung können das Benehmen des Vierbeiners in die richtige Richtung lenken.

Das Grundstein für ein gutes Verhalten des erwachsenen Hundes, wird mit der Erziehung bereits in der Welpenzeit gelegt. Nicht jede Rasse ist für jeden Hundehalter geeignet. Wer sich nicht vorher die entsprechenden Gedanken macht, sieht sich womöglich einem Vierbeiner gegenüber, der ein anderes Wesen hat als erwartet.

Verhaltensauffälligkeiten des Hundes

Wie sich ein Vierbeiner im alltäglichen Zusammenleben verhält, hängt von vielen Faktoren ab. Da ist einerseits seine Rasse und sein individueller Charakter maßgebend, anderseits spielt die Erziehung eine Rolle. Das ist aber noch längst nicht alles. Was für den einen Hundehalter absolut okay ist, betrachtet der andere als No-Go.

Zum Beispiel:

Du lebst auf dem Land und freust dich jedes Mal, wenn du nach Hause kommst und von deinem Vierbeiner begrüßt wird. Er springt dich an, bellt und wedelt vor Freude mit dem Schwanz. Ihr spielt ein bisschen und dann macht es sich der Hund vor dem Haus gemütlich.

Nun stell dir die gleiche Situation in der Stadt vor! Da wird aus einem freudig bellenden Hund schnell ein kläffender Köter. Das Umfeld spielt also eine nicht zu unterschätzende Rolle, wenn es um das Verhalten eines Hundes geht. Der Vierbeiner muss soweit sozialisiert werden, dass er in dein Leben und dein Lebensumfeld passt.

Einige Verhaltensauffälligkeiten sind aber grundsätzlich störend. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ständiges, scheinbar grundloses Bellen, Jaulen und Winseln.
  • Andere Menschen anspringen und anknurren.
  • Ungehorsam und Missachten von Kommandos.
  • Unkontrollierbarer Jagdtrieb.
  • Aggression oder übermäßige Scheu in einigen Situationen oder bei Begegnung mit bestimmten Personengruppen. Das kann zum Beispiel der Briefträger sein. Manche Vierbeiner haben auch eine Abneigung gegenüber Kindern, Männern oder Frauen.
  • Betteln, wenn du und deine Familie am Essen seid.
  • Lebensmittel stehlen.
  • Zerbeißen und Zerstören von Schuhen, Kissen und anderen Dingen.

Die meisten dieser Verhaltensstörungen liegen nicht an deiner Erziehung, sondern in der Geschichte des Tieres. Fehlverhalten gründen oft auf tiefsitzenden Ängsten und Erlebnissen. Schimpfen und Strafen nützen also gar nichts, sondern machen die Situation womöglich nur noch schlimmer.

Hilfe, mein Hund beißt!

Es ist einer der wichtigsten Punkte während der Sozialisierung eines Welpen: Du musst ihm beibringen, dass Beißen verboten ist. Dass Hundebabys noch spielerisch Schuhe und Kissen zerbeißen und dich gerne mal in die Hand zwicken, ist altersgemäß. Trotzdem solltest du hier bereits ansetzen und dem kleinen Hund klar machen, dass er das nicht darf. Er muss lernen, dass er durch Beißen keine Zuwendung erlangt. Erwachsene Hunde beißen meist in Stresssituationen zu, nicht aus Bösartigkeit.

Auslöser für Hundebisse können sein:

  • Revierverteidigung
  • Platzangst
  • Erschrecken
  • Angst vor Menschen, die plötzlich auf ihn zugehen und ihn anfassen
  • Situationen, mit denen er schlechte Erinnerungen verbindet
  • Aushandeln der Rangordnung im Rudel

Falls dein Hund öfters zuschnappt, ist dringend ein Anti-Beiß-Training angesagt. Dabei müssen deine ganze Familie, der Hundetrainer und natürlich du selbst an einem Strick ziehen. Eine gute Hundeschule kann mit einem schwierigen, beißwütigen Vierbeiner umgehen, indem sie ihn gegen Stress sensibilisiert. Er muss in für ihn stressigen Alltagssituationen gelassener werden. Es ist kein leichter Weg, einem Hund, der gerne zuschnappt, beizubringen, dass es Alternativen zum Beißen gibt. Es gilt, ihm deutliche Grenzen aufzuzeigen. Aus seiner persönlichen Sicht beißt ein Hund niemals grundlos.

Nicht immer ist der Fehler des Hundeverhalten in seiner früheren Lebenssituation, zum Beispiel als Straßenhund zu suchen. Oft trägt der Besitzer oder Vorbesitzer Schuld an Beißattacken. Wie sagte ein unbekannter Verfasser so treffend: „Das Problem befindet sich immer am anderen Ende der Leine“.

Hundeverhalten: Wie viel Bellen muss ich tolerieren?

Es nervt, wenn ein Vierbeiner ständig und scheinbar ohne jeden Grund bellt. Bellen trägt auch nicht gerade zu einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis bei. Aber warum kläfft er eigentlich ständig und vor allem: Wie lässt es sich das störende Hundeverhalten abstellen?

Ohne Grund bellt kein Hund, er:

  • langweilt sich. Er weiß nicht, wie er sich beschäftigen könnte. Oft sagt er durch Bellen einfach nur: Mensch, komm her, es igefällt mir nicht, alleine zu sein!
  • nimmt seine Verantwortung als Wachhund wahr. Irgendetwas, was seiner Meinung nach merkwürdig ist, passiert im oder ums Haus. Also meldet er das. Nicht mehr und nicht weniger. Und er versteht überhaupt nicht, warum es statt Lob Schimpfe gibt.
  • hat Angst und ist unsicher. Das kann sowohl zu Hause als auch unterwegs passieren.
  • er zeigt seine unbändige Freude. Lachen kann ein Vierbeiner nicht, also bellt er vor Vergnügen. Ein kurzes Bellen zur Begrüßung oder aus Begeisterung, wenn du die Schuhe anziehst und seine Leine holst, zeigt, dass er glücklich ist.

Warum bellen kleine Hunde häufiger?

Bellen ist zum großen Teil Erziehungssache durch den Hundebesitzer. Da bellende große Hunde in der Öffentlichkeit unangenehmer auffallen und Angst auslösen können, trainieren Hundehalter Dobermann, Dogge und Co das Kläffen ab. Bei Yorkie oder Malteser wird bellen eher toleriert. Die kläffenden Kleinen empfinden Passanten meist als niedlich, zumindest aber als harmlos.

Übreigens haben einige Rassen das Bellen förmlich im Blut. Das sind in erster Linie jene Hunderassen, die als Wach- und Hütehunde gezüchtet werden. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Deutsche Schäferhund.

Als Hundebesitzer Bellen abtrainieren

Ein Fehler, den Hundehalter und vor allem ihre Kinder häufig machen ist, auf Bellen mit Bellen zu antworten. Geschieht dies bereits im Welpenalter, fühlt sich der Vierbeiner bestätigt. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, deinem Liebling das Bellen abzugewöhnen. Hast du einen richtigen „Dauerbeller“, der stundenlang kläffen kann oder jeden Fremden anbellt, sprichst du das Problem mit einem Hundetrainer ab. Eine gute Methode ist, dem Hund so zu trainieren, dass er auf Kommando bellen kann. Und dazu lernt er auch den Befehl, damit aufzuhören. „Gib Laut“ und „Aus“ sind zwei wichtige Kommandos im Hundeleben.

Was tun, wenn Hunde unzumutbare Verhaltensauffälligkeiten zeigen?

Zuerst einmal gilt es zu unterscheiden, ob du es bei dem Hundeverhalten mit einem echten Problemhund zu tun hast. Vielleicht fehlt ihm auch nur eine klarere Linie und du kannst erzieherisch noch nacharbeiten. Bist du als Hundeanfänger überfordert, gibt es Hilfe. Die erste Anlaufstelle könnte der Züchter oder das Tierheim, also der Ort, von dem der Hund zu dir kam, sein.

Oder ihr meldet euch bei schwierigem Hundeverhalten in der Hundeschule, bzw. bei einem erfahrenen Hundetrainer an. Es muss dir nicht peinlich sein, wenn du mit deinem Vierbeiner momentan überfordert bist. Du möchtest für deinen Liebling nur das Beste und dafür sind die verschiedenen Hilfsangebote da. Niemand war von Anfang an ein perfekter Hundekenner. Allgemein helfen sich Hundehalter auch untereinander mit sinnvollen Ratschlägen.

Hundeverhalten, wenn die Hormone verrücktspielen

Sobald Welpen geschlechtsreif werden, zeigen sich deutliche Unterschiede im Verhalten von Rüden und Weibchen. Während die kleinen Hundedamen noch immer recht pflegeleicht sind, plustern sich die halbstarken Rüden gerne auf. Sie strotzen vor Selbstbewusstsein und schrecken nicht davor zurück, sich mit Geschlechtsgenossen jeglichen Alters anzulegen. Für den Hundehalter ist das Verhalten eines Rüden in den Flegeljahren ziemlich anstrengend. Bei aller Liebe und allem Verständnis solltest du ihm täglich aufs Neue vermitteln, dass du die Führungsrolle innehast.

Kommt er in die Pubertät, nabelt sich der Vierbeiner so nach und nach ab. Ist er dir als Welpe noch auf Schritt und Tritt gefolgt. so gibt es jetzt gerade Spannenderes zu entdecken. Das ist durchaus mit jugendlichen Menschen zu vergleichen. In dieser Zeit musst du aufpassen, dass ihr die Bindung nicht verliert. Die kleine Fellnase wird erwachsen. Du bist nach wie vor sein Freund und „Chef“, das muss ihm immer wieder gezeigt werden. Auch wenn sein derzeitiges Verhalten mit der hormonellen Umstellung zu erklären ist, müssen Kommandos befolgt werden. Um die Verbindung zwischen euch zu stärken, kannst du ihn als Belohnung, wenn er folgsam war, aus der Hand füttern. Das hat noch einen positiven Nebeneffekt: Dein Hund achtet vermehrt auf deine Hände. Bestimmte Kommandos wie zum Beispiel „Aus“ und „Nein“ werden durch entsprechende Handzeichen nämlich verstärkt.

Das Verhalten, wenn die Hündin läufig ist

Einfacher ist eine Hündin zu handeln. Außer in der Zeit, wenn sie läufig ist. Dann ändert sich ihr Verhalten schlagartig. Sie putzt sich häufiger ihre Vagina und interessiert sich stark für die Rüden. Während der Standhitze macht sie die Hundemänner förmlich an und lädt sie bereitwillig ein. Manche Hündin entwickelt eine Scheinschwangerschaft und zeigt das Verhalten einer trächtigen Hundedame. In die Wechseljahre kommt ein Hund nicht. Seltsames Verhalten in höherem Alter muss also andere Ursachen haben.

Was dein Hund dir sagen möchte

Neben auffälligem Verhalten gibt es noch die typische Hunde-Körpersprache. Und diese erklären wir dir nachfolgend an einigen Beispielen. Manche Verhaltensweisen des Vierbeiners sind vor allem dann, wenn ihr euch noch nicht lange kennt, nicht so einfach zu entschlüsseln. Mit der Zeit werdet ihr euch aber ganz bestimmt verstehen.

Das bedeuten die Verhaltensformen deines Hundes

  • Der Hund liegt viel, mag nicht spazieren oder spielen. Er kratzt sich, hinkt oder schüttelt sich dauernd? Dann ist er sehr wahrscheinlich krank.

    Du solltest beizeiten einen Termin beim Tierarzt vereinbaren. In der Zwischenzeit ist es ratsam, Fieber zu messen, ihm genügend frisches Wasser zu geben und ihm einfach zu zeigen, dass du für ihn da bist.

  • Er zieht sich in sein Bett oder in eine Ecke zurück und winselt vor sich hin. Du kannst ihn kaum motivieren, etwas zu unternehmen. Er ist traurig.

    Vielleicht ist ein zweites Haustier gestorben und er vermisst es, oder sein früherer Besitzer musste ins Heim. Vielleicht ist Herrchen oder Frauchen auch nur vorrübergehend weg, im Krankenhaus oder im Urlaub. Auch Hunde können Verlustangst, Einsamkeit und sogar Liebeskummer versprüren. Sollte der Zustand länger anhalten, ist ebenfalls ein Arzttermin ratsam.

  • Der Vierbeiner hüpft umher, sein Schwanz ist nach oben aufgestellt, gerade oder wedelt freudig hin und her. So lebhaft drückt die Fellnase ihre Freude aus.

    Der Hund begrüßt dich, sieht, dass du sein Futter vorbereitest oder realisiert, dass ihr gleich spazieren geht.

  • Herumspringen und dich dabei ansehen, Kopf zwischen die Pfoten legen und den Hintern in die Höhe strecken, Schwanzwedeln, dich anstupsen und dir Spielsachen bringen heißt ganz klar: Jetzt wird möchte dein Hund mit dir spielen.

    Was kann gerade wichtiger sein als eine kleine Auszeit mit deinem vierbeinigen Freund? Spielen und Spaß haben sind angesagt.

  • Die Ohren sind zurückgestellt und der Hund versucht, sich klein zu machen. Das geschieht durch Einrollen des Körpers oder gebückte Haltung. Damit zeigt er Angst und Unterwürfigkeit.

    Je nach Situation solltest du ihm das Vertrauen und die Sicherheit zurückgeben. Du bist da, du liebst ihn, alles ist gut.

Je mehr du dich als Hundebesitzer mit ihm beschäftigst, desto besser lernst du das Verhalten deines Hundes kennen und richtig zu deuten. Das gleiche passiert auch umgekehrt: Für den Vierbeiner ist es wichtig, deine Mimik, Körpersprachen und Verhalten richtig einordnen zu können. Deshalb ist Konsequenz in der Erziehung und im Umgang mit einem Hund so wichtig.

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