Bandscheibenvorfall beim Hund erkennen, behandeln und vorbeugen

Ein Bandscheibenvorfall (Discopathie) ist bei Hunden leider gar nicht so selten. Er äussert sich, wie bei dem Menschen, mit starken Schmerzen. Bei einem schweren Fall treten, vor allem in den Hinterbeinen, Lähmungen auf. Die Krankheit ist auch als „Dackellähme“ bekannt. Allerdings kann jede Rasse betroffen sein.

Die vielschichtige Bandscheibe kann durch einen Vorfall ganz unterschiedliche Symptome hervorrufen. Der Bandscheibenvorfall beim Hund wird in zwei Grade unterteilt:

  1. Grad = unvollständiger Bandscheibenvorfall/ Discusprotusion
  2. Grad = vollständiger Bandscheibenvorfall/ Discusprolaps

Außerdem wird zwischen Bandscheibenvorfällen in der Halswirbelsäule und in der Lendenwirbelsäule unterschieden. Die Behandlung hängt von Lage und Ausprägung der Krankheit an der Wirbelsäule ab.

Wie kommt es zum Bandscheibenvorfall beim Hund?

Hunde erleiden relativ häufig einen Bandscheibenvorfall. Einige Rassen sind besonders anfällig. Es handelt sich dabei um Tiere mit einem langen Rücken. Das sind zum Beispiel Spaniel, Basset, Pekinese und Dackel. Aus diesem Grund spricht der Volksmund von „Dackellähme“. Auch Schäferhunde sind relativ häufig von Bandscheibenvorfälle betroffen. Schäfer erwischt es meistens in der Lendenwirbelsäule. Dobermann und Dogge sind prädestiniert für Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule.

Gegenüber uns Menschen haben Vierbeiner seltener andere Rückenleiden. Nur die Bandscheibe macht ihnen Probleme. Warum ist das so? Grund ist entweder eine altersbedingte Abnutzung oder eine akute Überlastung. Auch Verletzungen können zu einem Vorfall der Bandscheibe führen.

Wie merkst du, dass dein Hund einen Bandscheibenvorfall erlitten hat?

Häufig passiert es wie aus heiterem Himmel: Dein Hund spielt, springt munter herum und mit einem Mal weißt er leichte Lähmungserscheinungen auf. Er winselt und hat Schmerzen, sein Gang wird unsicher und wahrscheinlich nimmt er eine Schonhaltung ein. Es ist durchaus auch möglich, dass er gar nicht mehr laufen kann. Musst du deinen Vierbeiner tragen, gehe behutsam um, denn er kann sehr heftige Schmerzen verspüren.

Nicht immer tritt ein Bandscheinvorfall bei Hunden plötzlich auf. Meist gibt es schon Jahre im Voraus Anzeichen. Abnutzungserscheinungen entwickeln sich normalerweise schleichend, bis es zu einem Vorfall kommt. Ein typisches Alter gibt es nicht. Während robuste Vierbeiner bis ins hohe Hundealter fit und munter bleiben, können andere schon recht frühzeitig Probleme bekommen.

Bandscheibenvorfall beim Hund durch Abnutzung

Wenn du, als aufmerksamer Hundehalter, Veränderungen in der Haltung und dem Aussehen deines Lieblings bemerkst, solltest du wachsam sein. Du kannst davon ausgehen, dass, wenn sich ein quicklebendiger Vierbeiner plötzlich weniger bewegt, etwas nicht mit ihm stimmt. Typisch für einen beginnenden Bandscheibenvorfall ist der sogenannte „aufgezogene“ Rücken während der Hund sein großes Geschäft macht. Der Hund versucht durch eine Schonhaltung die Schmerzen zu verringern. Wenn du schon mal eine verspannte, verhärtete Muskulatur hattest, kannst du dir Folgen vorstellen: Noch heftigere, stark schmerzende Verspannungen sind die Folge und diese ziehen weitere Haltungsfehler nach sich.

Steht und läuft dein Vierbeiner schief und werden seine Bewegungsabläufe steif und unkoordiniert, ist es Zeit, zu handeln. Das Tier sollte baldmöglichst einem Veterinär vorgestellt werden. Bekommt der Hund keine rechtzeitige Hilfe, kommen je nach Lage des Bandscheibenvorfalls weitere schmerzhafte, unangenehme Beschwerden hinzu. Ist eine Bandscheibe im Bereich des Halses betroffen, sind häufig Lähmungserscheinungen an den vorderen Beinen zu beobachten. Schreitet die Lähmung fort, können Darm und Blase nicht mehr kontrolliert werden.

Was macht der Tierarzt bei einem Bandscheibenvorfall?

Je früher der Hund zum Tierarzt kommt, desto grösser sind die Heilungschancen im Wirbelkanal. Ein gutes Frauchen oder Herrchen wird beim leisesten Verdacht einen Notfalltermin vereinbaren. Wie weit die Erkrankung schon fortgeschritten ist, testen Tierärzte häufig dadurch, dass sie eine Pfote anheben und schauen, ob und wie es dem Hund gelingt, sie wieder in die richtige Stellung zu bringen. Auch Röntgenbilder geben Aufschluss über den Stand der Erkrankung.

Die Therapie beim Bandscheibenvorfall

Vierbeinige Patienten, die nur unter leichten Koordinationsstörungen und Schmerzen leiden, müssen in der Regel nicht operiert werden. Gute Erfolge zeigen entzündungshemmende Medikamente. Von Fall zu Fall wird entschieden, ob es sinnvoll ist, lokal Cortison anzuwenden. Auch eine naturheilkundliche Behandlung kann in Betracht gezogen werden. In der Schmerzbekämpfung zeigt sie oft gute Erfolge. Infrage kommen zum Beispiel Akupunktur oder eine Blutegeltherapie.

Jeder Fall wird individuell betrachtet und eine auf den jeweiligen Vierbeiner abtgestimmte Therapieform gewählt. Als Frauchen oder Herrchen hast du die Aufgabe, ihm notwendige Medikamente regelmäßig zu verabreichen. Außerdem musst du darauf achten, dass sich dein Vierbeiner schont. Der Hund sollte sich anfangs so wenig wie möglich bewegen. Herumspringen wird er schon von sich aus nicht, solange die Schmerzen anhalten. Wenn möglich, vermeide, dass er Treppen steigen muss.

Physiotherapie

Sobald es ihm besser geht, geht es zur Hunde-Physiotherapie. Deren Ziel ist es, die Beweglichkeit wiederherzustellen oder zu erhalten und Muskeln aufzubauen.  Vierbeiner, die anfangs nicht sehr kooperativ sind, finden fast immer mit der Zeit Spaß an der Therapie, sie spüren, dass ihnen geholfen wird. Bei einigen Übungen darf sein Mensch mitmachen. So merkt er, dass du an seiner Seite bist und er dir voll vertrauen kann.

Wenn eine Operation notwendig wird

Sobald Lähmungserscheinungen auftreten, ist erfahrungsgemäß eine Operation die einzige Hilfe. An der Wirbelsäule ist dies immer ein größerer Eingriff. Nachdem dieser überstanden ist, benötigtder vierbeinige Patient intensive Pflege. Er hat die Entleerung von Blase und Darm nicht sofort wieder unter Kontrolle. Seine Unterlagen müssen regelmäßig gewechselt werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass er nicht wundliegt.

Sobald er wieder auf den Beinen ist, folgt eine lange Phase der Regeneration mit intensiver Physiotherapie. Diese besteht aus Maßnahmen, die für eine gute Durchblutung der Gliedmaßen sorgen, die Gelenke geschmeidig halten und die Muskeln stärken. Während der Reha bekommt der Hund Massagen, Schwimmtraining und Laufübungen auf Unterwasserlaufbändern. In vielen Fällen erhalten Hunde auf diesem Weg ihre Lebensqualität zurück.

Wie einem Vorfall der Bandscheibe beim Hund vorgebeugt werden kann

Eine absolute Sicherheit, dass dein Vierbeiner nicht von einem Bandscheibenvorfall betroffen sein wird, gibt es nicht. Ein Unfall kann immer passieren und Abnutzungserscheinungen lassen sich kaum beeinflussen. Einige Maßnahmen eignen sich jedoch, besonders bei häufig betroffenen Rassen, zur Vorbeugung:

  • Dackel und andere besonders gefährdete Rassen sollten keine Treffen steigen. Auch das Herunterspringen von hohen Stufen, Mauern, dem Sofa oder aus dem Auto solltest du ihnen von klein an gar nicht erst erlauben.
  • Auf seine Rasse abgestimmter Hundesport, laufen auf verschiedenen Untergründen und ausreichend Bewegung sorgen für gesunde, kräftige Muskeln, Gelenke und Knochen.
  • Mehrere Spaziergänge täglich sind für Hunde, deren Rasse vorbelastet ist, empfehlenswerter als eine riesige Tour.
  • Die beliebten Flexileinen sind nicht optimal, da durch den Leinenruck die Halswirbelsäule unnatürlich belastet wird.
  • Das Hundebett oder -körbchen darf nicht in Zugluft stehen. Der Hund sollte außerdem nicht auf einem kaltem Boden liegen.
  • Achte auf eine gute und artgerechte Ernährung. Es ist ganz wichtig, dass der Hund ein normales Gewicht hat. Übergewicht ist eine häufige Ursache für Bandscheibenprobleme.

Letztendlich ist zu überlegen, ob du deinem Liebling von klein an ein orthopädisches Hundebett kaufen möchtest. Vor allem in der Wachstumsphase hilft dieses, den Bewegungsapparat gesund zu erhalten.

Bildnachweis:Fly_dragonfly | Adobe Stock

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