Hund kastrieren: Gründe, Vorteile, Risiken und Infos zum richtigen Zeitpunkt

Die Entscheidung, ob man seinen Hund kastrieren lassen soll oder nicht, ist für viele Hundebesitzer eine schwierige und oft emotional aufgeladene Frage. Es gibt verschiedene Gründe, warum man sich für eine Kastration entscheiden kann, wie beispielsweise das Verhindern unerwünschter Fortpflanzung, die Reduzierung von Verhaltensproblemen➹ oder die Vorbeugung von bestimmten Gesundheitsproblemen.

Gleichzeitig gibt es jedoch auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen, die bei einer Kastration auftreten können. In diesem Ratgeber-Artikel werden wir uns mit den verschiedenen Aspekten der Kastration beim Hund auseinandersetzen und dir helfen, die beste Entscheidung für deinen Vierbeiner zu treffen.

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Was ist eine Kastration eigentlich?

Eine Kastration beim Hund ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Keimdrüsen des Hundes entfernt werden. Bei einer Rüdenkastration werden die Hoden entfernt, während bei einer Hündinnenkastration die Eierstöcke oder auch die Gebärmutter entfernt werden können.

Die Kastration ist ein relativ einfacher Eingriff, der in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt wird. Je nach Tierarztpraxis kann die Kastration auch unter lokaler Betäubung oder Sedierung durchgeführt werden. Der Eingriff selbst dauert in der Regel nur etwa 30 bis 60 Minuten.

Nach einer Kastration kann es jedoch zu Veränderungen im Verhalten und der Gesundheit des Hundes kommen. Daher ist es wichtig, alle Vor- und Nachteile einer Kastration abzuwägen und eine informierte Entscheidung zu treffen, die auf den individuellen Bedürfnissen des Hundes basiert.

▷▷ Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?
Dass Rüden kastriert und Hündinnen sterilisiert werden ist seit langer Zeit eine falsche Annahme vieler Hundebesitzer.
Eine Kastration ist eine vollständige, operative Entfernung der Hoden (Rüde) oder Eierstöcke (Hündin).

Im Unterschied dazu, werden bei einer Sterilisation lediglich die Keimbahnen durchtrennt oder abgebunden: Samenleiter (Rüde) oder Eileiter (Hündin).

Warum werden Hunde überhaupt kastriert?

Rüden werden aus verschiedenen Gründen kastriert. Mit dem behandelnden Tierarzt sollte immer individuell entschieden werden, ob eine Kastration sinnvoll ist. Folgende Gründe können für eine Kastration sprechen:

  • Gesundheitliche Probleme: Hodentumor, Hodenhochstand (Kryptorchismus), Entzündungen, Prostataerkrankung bzw. Gebärmutterentzündungen (Pyometra) bei Hündinnen
  • Höhere Lebenserwartung nach einer Kastration
  • Vermeidung unbeaufsichtigter Fortpflanzung
  • Vereinfachung des Zusammenlebens mit Hündinnen
  • Verhaltensprobleme: Aggression, Dominanzverhalten, Urinmarkieren
  • Ausbleiben der Läufigkeit und Verhinderung von Scheinschwangerschaften bei Hündinnen

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Gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) ist „das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres“ verboten. Das gilt grundsätzlich auch für die Kastration oder Sterilisation von Hunden.

Die Erlaubnis zur Unfruchtbarmachung eines Hundes ist gemäß § 6 Abs. 1 TierSchG auf folgende Ausnahmen begrenzt:

  • der Tierarzt ordnet eine Kastration aus guten Gründen an
  • eine unkontrollierte Fortpflanzung soll verhindert werden

Verhaltensprobleme allein sind also häufig kein Grund, einen Hund zu kastrieren. Denn grundsätzlich sollten gesundheitliche und sehr gute Gründe vorliegen, wenn ein Hund kastriert wird. Dies ist mit dem behandelnden Tierarzt individuell abzustimmen.

Was ist eine chemische Kastration?

Bevor ein Hund mittels Operation kastriert wird, kann zunächst die chemische Kastration ausprobiert werden. So kann getestet werden, ob z.B. Verhaltensprobleme vom Testosteronspiegel beeinflusst werden. Die Auswirkung der chemischen Kastration kann eine Entscheidungshilfe sein, ob eine vollständige irreversible Kastration sinnvoll ist.

Bei der chemischen Kastration wird ein Hormonimplantat unter die Haut appliziert. Oft wird der kleine Chip zwischen den Schulterblättern oder in der Nabelgegend platziert. Der Testosteronspiegel im Blut sink erst nach einigen Wochen. Daher Vorsicht: ein Rüde kann nach einer chemischen Kastration noch bis zu 120 Tage zeugungsfähig bleiben.

Je nach Implantat und Hundegröße wirkt eine chemische Kastration mindestens 6 bis 12 Monate.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Kastration?

Eine Kastration sollte nicht vor Abschluss der Pubertät stattfinden. Je nach Rasse und Größe liegt dieser Zeitpunkt zwischen dem 12. und 24. Monat. Bei Hündinnen ist ein guter Anhaltspunkt das Ende der dritten Läufigkeit.

So ist sichergestellt, dass die Körperentwicklung vollständig abgeschlossen ist. Kleine Hunde wachsen bis zu einem Jahr. Größere Rassen sind i. d. R. nach 2 Jahren komplett ausgewachsen. Auch die Ausbildung des Gehirns und charakterliche Prägungen sind nach der Pubertät abgeschlossen.

Was du vor und nach einer Kastration beachten solltest

Wie genau du deinen Hund auf den OP-Tag vorbereitest, solltest du detailliert mit dem Tierarzt deines Vertrauens besprechen. Am Tag der OP muss der Hund i. d. R. nüchtern bleiben. Der Hund bleibt nach einem Eingriff zunächst in tierärztlicher Überwachung. Du solltest am OP-Tag ausreichend Zeit für die Abholung und die anschließende Betreuung deiner Fellnase einplanen.

Nach der Kastration solltest du folgende Punkte beachten:

  • schone deinen Hund für eine optimale Wundheilung ca. 2 Wochen
  • führe deinen Hund nur kurzen Strecken gassi (z.B. täglich 3×15 Minuten)
  • führe deinen Hund stets an (kurzer) Leine
  • Hoch- und Herunterspringen ist in den ersten 2 Wochen nach der OP tabu
  • die Wunde darf nicht schmutzig oder nass werden
  • der Hund darf die Wunde außerdem nicht lecken (ggf. kommt hier eine Halskrause ins Spiel)

Die Fäden oder Klammern werden nach einer komplikationsfreien Wundheilung nach ca. 12-14 Tagen entfernt.

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Welche Risiken birgt eine Kastration bzw. Sterilisation?

Kastrationen und Sterilisation gehören in Tierarztpraxen zu den Routineeingriffen. Dennoch sind solche Eingriffe mit bestimmten Risiken verbunden. Neben dem allgemeinen Risiko von Nebenwirkungen aufgrund einer Operation und Vollnarkose (z.B. Nachblutungen und Infektionen) kann es zu den folgenden Risiken kommen:

  • Erhöhtes Risiko für negative Verhaltensveränderungen
  • Fellveränderungen
  • Übergewicht
  • orthopädische Erkrankungen

Bildnachweis: alexsokolov | Adobe Stock

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